Unsere Geschichte
Entstehung und Entwicklung des Heimattiergartens Fürstenwalde
Was heute ein beliebter Ort für Familien, Schulklassen und Naturfreunde ist, begann einst mit einer Idee – und mit viel persönlichem Engagement.
Der Heimattiergarten Fürstenwalde steht seit über fünf Jahrzehnten für Tierliebe, Bildung und Gemeinschaftssinn. Seine Geschichte ist eng mit ehrenamtlicher Arbeit, regionaler Unterstützung und dem Wunsch verbunden, heimische Tierarten erlebbar zu machen.
Eine Idee wird Wirklichkeit
Im Juni 1969 reichte Günter Bohr mit Unterstützung der Tierparks Berlin und Eberswalde beim Rat der Stadt Fürstenwalde den Vorschlag ein, im Stadtpark einen Heimattiergarten als Erholungs- und Lehrstätte zu errichten. Ziel war es, Natur und heimische Tierwelt für die Bevölkerung zugänglich zu machen – besonders für Kinder und Jugendliche.
Bereits 1971 entstanden die ersten drei Volieren nördlich der Freilichtbühne. Sie wurden mit Fasanen, Waldohreulen, Waldkäuzen und Mäusebussarden besetzt. Die Betreuung der Tiere erfolgte von Anfang an ehrenamtlich. Unterstützt wurde der Aufbau unter anderem durch die Arbeitsgemeinschaft Ornithologie im Kulturbund der DDR, regionale Betriebe und Bildungseinrichtungen.
Aufbau mit Herz und Hand
Ab 1973 begannen unter der Leitung des damaligen Stadtbaudirektors die konkreten Vorplanungen für den heutigen Heimattiergarten.
Am 11. November 1974 beschlossen die Stadtverordneten offiziell den Aufbau der Anlage. Viele Arbeiten wurden durch freiwillige Arbeitsleistungen und mit großer Unterstützung Fürstenwalder Unternehmen realisiert – ein frühes Beispiel gelebter Gemeinschaft.
Ein wichtiger Meilenstein folgte am 5. Oktober 1975: Der erste Abschnitt des Heimattiergartens wurde eröffnet. Dazu gehörten ein Ponygehege, eine Waldvogelvoliere sowie eine Flugvoliere für den damaligen Steppenadler (heute Steinadler).
Wachstum und Anerkennung
Schon 1976 wurde der zweite Bauabschnitt freigegeben – begleitet von einem Konsultationstag der Tiergärten aus Berlin, Frankfurt (Oder) und Potsdam unter Leitung von Professor Dr. Dr. Heinrich Dathe. In dieser frühen Phase wurden mehrere Volieren mit Tieren aus dem Berliner Tierpark besetzt.
Der weitere Ausbau schritt kontinuierlich voran:
1977 entstanden Reh- und Muffelwildgehege sowie weitere Eulenvolieren.
Erste thematische Führungen, besonders zu Greifvögeln, wurden angeboten und regelmäßig durchgeführt.
1978 kamen Gehege für Waschbär, Marderhund, Fuchs und Steinmarder hinzu. In diesem Jahr übernahm Günter Bohr die Leitung des Heimattiergartens hauptamtlich.
Ein Ort mit Zukunft
Zwischen 1979 und 1982 wuchs der Heimattiergarten weiter:
Ein Mehrzweckgebäude für die Tierpflege, eine Rabenvoliere, eine große Fasanerie, eine Futterküche, eine Teichanlage, eine Quarantänestation sowie eine öffentliche Toilette wurden errichtet.
Ein besonderer Höhepunkt folgte 1983 mit der Übergabe der Fluganlage für Seeadler. Nur ein Jahr später gelang hier die erste Nachzucht von Seeadlern in Gefangenschaft in der DDR – ein bedeutender Erfolg für den Artenschutz.
Zum zehnjährigen Bestehen wurde dem Heimattiergarten aufgrund seiner guten Haltungsbedingungen vom Tierpark Berlin ein Wisentpaar geschenkt – ein Zeichen großer Anerkennung.
Durch Herausforderungen und Neubeginn
Mit der Übergabe der Fluganlage für Seeadler im Jahr 1983 erreichte der Heimattiergarten einen weiteren bedeutenden Meilenstein. Bereits ein Jahr später gelang hier die erste Nachzucht von Seeadlern in Gefangenschaft in der DDR – ein großer Erfolg für die fachliche Arbeit und den Artenschutz.
Zum zehnjährigen Bestehen und als Anerkennung der guten Haltungsbedingungen schenkte der Tierpark Berlin dem Heimattiergarten ein Wisentenpaar.
Die gesellschaftlichen Umbrüche der frühen 1990er-Jahre brachten jedoch auch Herausforderungen mit sich. 1990 geriet der Heimattiergarten erstmals in eine finanzielle Krise. Das Überleben der Einrichtung konnte nur durch großzügige Futterspenden, unter anderem der Futtermittel GmbH und des VEG Lindenberg, sowie durch eine Tierparklotterie gesichert werden.
Um die Zukunft des Heimattiergartens dauerhaft zu sichern, wurde zur Gründung eines Fördervereins aufgerufen. Die Vereinsgründung erfolgte am 16. Februar 1991, erster Vorsitzender war Dr. Einhorn. Am 23. Januar 1992 beschloss die Stadtverordnetenversammlung, den Heimattiergarten in freie Trägerschaft zu überführen. Die offizielle Übernahme durch den Förderverein Heimattiergarten Fürstenwalde e. V. erfolgte am 1. März 1992.
Ehrenamt, Bildung und neue Angebote
Durch umfangreiche ehrenamtliche Arbeit konnte 1993 der Imbiss – damals noch ein Café – im Zentrum der Anlage errichtet werden. Ebenfalls auf Initiative von Günter Bohr wurde im selben Jahr die Zooschule fertiggestellt. Für die jüngsten Besucher entstand ein Spielplatz, zudem wurden Tierpatenschaften ins Leben gerufen.
1994 wurde Wolf-Dieter Erdmann zum neuen Vereinsvorsitzenden gewählt. In den folgenden Jahren entstanden zahlreiche weitere Gehege, ein neues Eingangsgebäude sowie das Wisentschaufenster, das neue Einblicke in die Tierhaltung ermöglichte.
Entwicklung bis in die Gegenwart
Der Heimattiergarten engagierte sich zunehmend auch überregional:
2001 beteiligte er sich mit Luchsnachzuchten an einem Auswilderungsprogramm im Harz.
Ein wichtiger personeller Einschnitt folgte 2005: Nach vielen Jahren engagierter Arbeit trat Günter Bohr in den wohlverdienten Ruhestand. Die Geschäftsführung übernahm Uwe Drewitz.
2010 konnte erstmals eine Auszubildende erfolgreich als Zootierpflegerin übernommen werden – ein starkes Zeichen für Kontinuität und Ausbildung.
Zwischen 2012 und 2014 wurden mit Unterstützung von Lottomitteln, der Sparkasse Oder-Spree und zahlreichen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern umfangreiche Sanierungen, Renovierungen und Umbauten umgesetzt.
Ein weiterer Höhepunkt folgte 2015 mit der Eröffnung der Zwergotteranlage, ermöglicht durch die großzügige Spende von Dr. Buschle.
2018 wurde die Eulenburg eröffnet – ein Projekt, das aus dem Bürgerbudget finanziert und in Eigenleistung realisiert wurde.
Nach mehr als 15 Jahren engagierter Arbeit verabschiedete sich Uwe Drewitz im Jahr 2021 in den Ruhestand.
Heute und morgen
Der Heimattiergarten Fürstenwalde ist bis heute ein Ort des Lernens, der Begegnung und der Verantwortung für Natur und Umwelt. Was einst mit einer Idee begann, lebt heute durch engagierte Mitarbeitende, Ehrenamtliche und Unterstützer weiter – mit dem gleichen Geist wie damals:
nah an der Natur, offen für Menschen und mit Blick auf die Zukunft.